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Montag, 29. Mai 2017 - 11:57 Uhr

Angst vor Transportboxen minimieren

Vor ein paar Wochen haben wir Euch erklärt, dass man die Angst vor einer Transportbox oder generell vor Gegenständen (wie z.B. Staubsauger) nicht mit einem Fingerschnippen beseitigen kann um den Hund endlich im Auto transportieren zu können.

Zuerst sollte der Hund lernen, dass die Transportbox zum Alltag gehört - sie steht im Weg herum so wie jede Bodenvase oder Schrank.

Bis dieses neutrale Verhalten erreicht wird, spielt die Funktion der Transportbox erstmal überhaupt keine Rolle. Es wurden für viele Wochen keine aktiven Handlungen vom Hund verlangt, die im Zusammenhang mit der Box standen.

Wenn etwas mit der Box in Verbindung gebracht werden sollte, dann die Kiste mit den Spielsachen... die wurde bis jetzt darin aufbewahrt.

Habt Ihr gemerkt welche Bedeutung die Kiste bekommen hat? Jedes Mal, wenn Ihr ein Spielzeug gebraucht habt, seid Ihr zu der verhassten Box gegangen. Ihr habt aus einem negativ besetzen Gegenstand einen positiv besetzten gemacht. Und hoffentlich habt Ihr Eure eigene Einstellung gegenüber der Box von negativ in positiv verändert! Wenn noch nicht, weil Ihr denkt die Box ist ein Gefängnis für die Spielsachen, dann denkt mal darüber nach:

In fast jedem Haushalt existiert eine Süßigkeitenschublade. Kinder denken über diese Schublade nicht "Das Süßigkeitengefängnis". Niemand tut das! Diese Schublade ist die Schatztruhe!

Jetzt könnt Ihr weiter an der Hausaufgabe arbeiten, dass Euer Hund eine "rutschmirdenbuckelrunter"-Einstellung bekommt.

Und wehe einer von Euch stopft jetzt einfach seinen Hund in die Transportbox weil es ihm zu lange dauert das Vertrauen wieder aufzubauen!

Wenn Ihr jetzt nach 3 Wochen schon wieder Zwang anwendet, könnt Ihr es gleich vergessen!

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Freitag, 26. Mai 2017 - 11:47 Uhr

Impulskontrolle - der schmale Grat zwischen Genie und Wahnsinn

Wir möchten Euch heute in dem Video ( https://www.facebook.com/Hundeschule.MysteryDog/videos/1577839138906447/) Maren mit ihrem Schäferhund Varus vorstellen, die während dem Streberkurs an der Impulskontrolle gearbeitet haben.

Unter Impulskontrolle ist zu verstehen, dass ein Hund über viel Selbstbeherrschung verfügt um nicht seinen plötzlich auftretenden Impulsen und Trieben nachzugeben.

 

Varus hat, wie viele Schäferhunde, eine besondere Vorliebe für große Fußbälle. So wird er sehr laut wenn ein Fußball in Bewegung gebracht wird und möchte das Spiel von Kindern am liebsten unterbrechen um sich den Ball zu schnappen.
Warum wir mit diesem Hund an der Impulskontrolle arbeiten begründet sich in dem Ziel ohne Theater an mit einem Ball spielenden Kindern vorbei zu gehen. Bestimmte Bewegungsreize können Impulse mit hoch erregter Emotion auslösen. Dabei können Menschen verletzt werden.

 

Eine weit verbreitete Methode ist, dass man einer Horde Kinder Eis verspricht damit sie auf einen Ball eintreten. Das Lernziel ist dabei sehr allgemein formuliert: der Hund soll gefälligst die Klappe halten.

 

Erfolgsquote? Sehr gering denn der Hund fällt in sein alt bewährtes Muster: kreischen und versuchen den Ball zu erreichen. Wer schon mal einen außer Rand und Band geratenen 40kg Hund versucht hat zu stoppen, wird diese Methode von Anfang an nicht wählen. Man ist hinterher nass geschwitzt und der Hund brüllt noch immer. Es ist sogar möglich, dass wir vom Hund irgendwann eine geknallt bekommen weil wir ihn daran hintern sich den Ball zu schnappen!

 

Wie Ihr in dem Video erkennen könnt, gehen wir mit Varus einen anderen Weg. Wir arbeiten an dem ruhig liegenden Fußball damit Varus die Chance hat seine Impulse zu beherrschen.

 

Mit dieser Selbstbeherrschung ist nämlich eine weitere Komponente sehr eng verknüpft: Die Frusttoleranz.

Dadurch, dass der Hund seinem Impuls widersteht, baut er gleichzeitig Frust auf weil er das ersehnte Objekt nicht haben darf oder eine bestimmte Handlung nicht durchgeführt wird.

 

Dieser Frust muss kanalysiert und abgeleitet werden.

 

Varus muss nur wenig Frust aushalten und wird für das erwünschte Verhalten mit Superleckerlis belohnt. Bleibt er nicht ansprechbar und konzentriert sich ausschließlich auf den Ball, erfolgt ein Abbruch der Übung und die Distanz zu dem Objekt wird vergrößert. Sobald der Hund wieder ansprechbar ist, bekommt er wieder positive Zuwendung und die Übung beginnt von vorne.

Ganz wichtig ist: Die ganze Zeit liegt der Ball einfach nur auf dem Boden, niemand berührt ihn, niemand bewegt den Fußball.

Der Hund muss eine Chance bekommen sein Verhalten in adäquater Weise zu ändern. Wenn er dies über mehrere Wochen zielsicher zeigt, wird die Schwierigkeit erhöht.

 

NEIN, im nächsten Schritt wird der Ball noch nicht gekickt. Es reicht vollkommen aus, dass ein Mensch seinen Fuß auf dem Ball abstellt. Diese Handlung bewirkt beim Hund eine ganz bestimmte Erwartungshaltung und die Impulskontrolle ist deutlich schwieriger.


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Donnerstag, 25. Mai 2017 - 11:32 Uhr

Sollen wir die Hunde mal schnuppern lassen?

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Während den Spaziergängen trifft man die unterschiedlichsten Menschen und es entwickeln sich oft richtige Freundschaften.

Allerdings gibt es auch immer wieder Situationen, die sind total irrwitzig.

So zum Beispiel ein Spaziergang bei dem wir einem alten Bekannten begegnet sind. Der Rüde sieht unserer Zookie zum Verwechseln ähnlich. Das Herrchen zu dem Rüden hatte noch nicht mitbekommen, dass Emma zu unserem Rudel gehört und wir blieben kurz stehen.

Emma hatte ein ungutes Gefühl, wurde nervös und fing an zu bellen... beim Blick auf den Rüden war dann auch klar wieso: er hing schräg in den Leine und versuchte näher an Zookie heran zu kommen und gab leise röchelnde Geräusche von sich.

Das Herrchen interpretierte Emmas Verhalten als Wunsch der Kontaktaufnahme und schlug vor "Sollen wir die Hunde mal schnuppern lassen?"

Wegen der Leinenpflicht während der Setz- und Brutzeit waren Emma und der Rüde an der Flexileine während Zookie brav an der kurzen Leine Gewehrbeifuß saß und mal wieder in eine andere Richtung glotzte und den fremden Hund vollkommen weg ignorierte. Deshalb lautete die Antwort "Alle Hunde sind angeleint. Das ist ein zu hohes Risiko."

Aber der Rüdenbesitzer wollte besänftigen: "Ich kann meine Leine ja auch ganz kurz halten, dann verwickeln die sich nicht."

ÄH NEIN!

Ja, man geht dann als Miesepeter aus dieser Situation heraus. Aber mal Hand aufs Herz.... ein Hund kann so gut riechen, dass er seine Schnauze nicht am Hintern meiner Hündinnen andocken muss. Über hunderte Meter oder sogar mehrere Kilometer nehmen Rüden den Geruch von läufigen Hündinnen wahr. Ganz zu schweigen davon was Rettungshunde leisten können! Was soll dann dieses "Die können doch mal an einander schnuppern"?

Stellt Euch mal vor, wir wären mit Kindern unterwegs und würden die Verhaltensweisen zulassen.
Der Vater des Sohnes würde fragen "Darf mein Kind Deiner Tochter mal an den Hintern fassen und fühlen wie straff der Busen ist?"
Was haltet ihr davon?

Ihr müsst vor allem bei Welpen aufpassen mit wem Ihr Eure Lieblinge Kontakt aufnehmen lasst!
Kommt ein sehr interessierter erwachsener Hund schnell auf Eure Welpen zu, hat Euer junger Hund keine andere Chance als sich zu ergeben und auf den Rücken zu werfen oder über schnappen sich den aufdringlichen Interessenten vom Hals zu schaffen.

Wenn wir das wieder auf Menschen übertragen, kommt ein 20 jähriger auf ein 8-jähriges Kind zu und bedrängt es. Da gehen wir ja auch dazwischen und begrenzen den distanzlosen Bedränger.


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Dienstag, 23. Mai 2017 - 07:59 Uhr

Wie man mit negativem Verhalten sein Ziel erreicht....

In diesem Video (https://www.facebook.com/Hundeschule.MysteryDog/videos/1566011986755829/) könnt Ihr beobachten wie Cooper extra das Emmchen ärgert.

Warum? Ihm ist langweilig und niemand kümmert sich um ihn.
Diesen Zustand will er ändern.

Wie bekommt er Aufmerksamkeit? Indem er andere dazu zwingt sich mit ihm auseinander zu setzen.

Durch das provokante Drüberstellen wollte Cooper eigentlich eine sofortige Reaktion erzeugen. Allerdings hat er nicht mit Emmas Wesensfestigkeit und Gelassenheit gerechnet. Sie lässt nämlich seine Aktion in der Luft verpuffen indem sie Cooper ignoriert.

Aus Frust setzt sich Cooper meckernd mitten in den Raum. Sieht er nicht aus wie ein schmollendes kleines Kind, das den Kopf hängen lässt?

Er kann gar nicht glauben, dass sich wirklich niemand mit ihm beschäftigen will und er wiederholt seine Provokation.
Dieses Mal ist er sogar schlimmer! Er umklammert den Hals... dummerweise lässt sich Emma nach hinten umfallen und belohnt dadurch die Provokation.

Kurz bleibt die ältere Hündin liegen und wartet ab, ob Cooper von alleine weg geht. Als er aber über ihr stehen bleibt wehrt sich Emma direkt.

Nein, das Setzen von Grenzen muss nicht immer mit Knurren, Zähne fletschen und Kiefer auf einander klacken von statten gehen. Hier seht Ihr, dass Emma ihren Kopf bei Cooper in den Nacken / Rückenbereich auf Höhe der Schulterblätter auflegt und leicht drückt. Sie möchte klar machen, dass sie die stärkere ist und Cooper sich ihren Regeln unterwerfen soll. Emma bleibt auch permanent im Körperkontakt und schiebt Cooper vor sich her.

Diese körperliche Präsenz drückt aus, dass Cooper sich besser ihren "Worten" widmet.

Der kleine Kerl backt in der gleichen Zeit ganz kleine Brötchen. Er macht sich klein, duckt sich und versucht gleichzeitig Emmas Lefzen zulecken. Den Rücken macht er rund, die Rute wedelt ganz tief. Cooper möchte sagen "Ich bin ein ganz lieber Junge, tu´mir nichts, ich mache alles was Du sagst."

Hieraus kann sofort Spiel entstehen oder der ältere Hund bleibt einfach stehen und lässt den anderen davon gehen. Nun ist der Streit beendet.


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Sonntag, 21. Mai 2017 - 09:49 Uhr

Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort....

Ihr dürft dieses Video (https://www.facebook.com/Hundeschule.MysteryDog/posts/1558064764217218) nicht falsch interpretieren, dass der Golden Retriever aus Trotz der Katze in die Pranke geschnappt hat.

 

Es gibt bei Hunden einen point of no return.
Wird ein Reflex ausgelöst, kann ein Hund ihn ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr unterbrechen.

Man sieht sehr deutlich, dass die Katze deutlich schnellere Reflexe und Bewegungen besitzt als der Hund. Dass der Goldie geschnappt hat, galt noch immer dem Leckerchen. Er hat nicht wirklich bemerkt, dass sich vor seinem Maul ein Körperteil seines "Nachbarn" befunden hat.

 

Noch dazu erscheint die Tatze der Katze aus einem Bereich, der für den Hund höchst wahrscheinlich gar nicht sichtbar war. Durch den geöffneten Fang des Hundes ist der "tote Winkel" sehr groß. Wenn Ihr also direkt vor der Schnute etwas weg fangen wollt, kann Euer Liebling nicht schnell genug wahrnehmen, dass er besser nicht fängt.

 

An der anschließenden Reaktion, die auf den Aufschrei der Katze folgt, kann man erkennen, dass der Goldie gar nicht den Stubentiger verletzen wollte.

 

Zum Glück ist die Katze so kulant und vermöbelt nicht den Hund!. Das hätte nämlich böse ins Auge gehen können... für den Golden Retriever.


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Donnerstag, 18. Mai 2017 - 07:28 Uhr

Kinder müssen durch Erwachsene angeleitet werden!

Während einem Welpenkurs trafen wir Mama, einen Kinderwagen schiebende Oma mit dem etwa 5 Jahre alten Sohn.

Der Junge war von dem Dalmatiner Welpen Sky fasziniert und lief geradewegs auf den am Rand wartenden Hund zu. Leider stoppten weder Mama noch Oma das Kind und so konnte er ungehindert bis auf 30cm vor den Hund zugehen.

Ihr könnt Euch vorstellen was passiert ist: Sky hat sich gefreut und versuchte den Jungen anzuspringen und mit der Zunge über das Gesicht zu lecken. Niemand ruf den Bub von dem Hund zurück, der mittlerweile wieder ein Stück näher gekommen ist.
Das Herrchen von Sky hatte alle Hände voll zu tun zu verhindern, dass der Hund das Kind berührt. Der junge Hund steigerte sich nämlich mit jedem Sprung immer weiter in seiner Aufgeregtheit und fing an zu jammern bzw. mehr Kraft in die Leine zu geben.

Also musste ich zum Wohl des Kindes eingreifen.
Sehr nett erklärte ich dem Jungen, dass er aufpassen soll wenn er so nah an fremde Hunde heran geht. Schließlich sind nicht alle Hunde von den kleinen Menschen begeistert und versuchen zu schnappen.

Weil sich Herrchen und Sky von dem Kind und mir weg bewegten um wieder Ruhe in die Situation zu bringen, versuchte der Junge direkt hinter dem Hund her zu gehen um möglichst nah dran zu bleiben. Dies konnte ich verhindern weil ich das Kind schon die ganze Zeit am Saum seiner Jacke fest hielt.

Das fanden Mutter und Oma nicht gut.
Sie argumentierten, dass der Hundebesitzer ja dafür zuständig ist, dass niemand verletzt wird.
Nun, bis zu einem gewissen Punkt ist der Hundebesitzer dafür verantwortlich, dass sein Tier keinem Menschen etwas tut.

Es ist aber auch Aufgabe der Eltern und Großeltern eine Annäherung bis auf 20 cm auf einen fremden Hunden bei dem gar nicht geklärt ist, ob dieses Tier die Annäherung eines fremden Menschen überhaupt duldet, das Kind in einer Sicherheitszone zu halten.

Wenn sich der Hundebesitzer mit seinem Hund entfernt, darf diesem Hund NIEMAND folgen! Die Distanzvergrößerung ist das einzige Mittel des Hundebesitzers um eine Eskalation zu verhindern. Dabei müssen auch Kinder lernen, dass sie Abstandhalten müssen.

Wir Erwachsenen sind dafür verantwortlich, dass es Kindern gut geht.
Wir Erwachsenen sind dafür verantwortlich Kinder vor Unfällen zu bewahren.
Wir Erwachsenen sind dafür verantwortlich Kindern ein adäquates Verhalten im Umgang mit Tieren vorzugeben.
Wir Erwachsenen sind dafür verantwortlich Kinder zu lehren, dass man erst fragen muss bevor man sich nähert.

Kinder im Alter zwischen 1 und 7 Jahren sind besonders gefährdet weil laut Statistik die meisten Beißverletzungen im Bereich des Gesichtes passieren.

Muss erst ein Unfall passieren bis sich etwas ändert?
Wie fühlt es sich an wenn ein Hund attackiert?
Was passiert mit Gefühlen wie Vertrauen wenn ein Kind gebissen wurde?
Muss ein Kind so ein Trauma wirklich erleben nur weil Erwachsene sich nicht darum kümmern wollen einen Unfall präventiv zu vermeiden?


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Montag, 15. Mai 2017 - 07:26 Uhr

Hundebegegnungen als Rudel

Der Rudelführerkurs zum Thema Hundebegegnungen relaxt meistern ist beendet und nun können wir Euch zeigen worauf Ihr achten müsst wenn Ihr unterwegs seid. (Schaut dieses Video an: https://www.facebook.com/Hundeschule.MysteryDog/videos/1565794156777612/

 

Auf der linken Seite des Weges läuft Markus mit seinen Dalmatinern Eddy und Joy. Trotz seiner Aufregung und dem bis zum Hals klopfenden Herzen hat er die Hundebegegnung super gemeistert! Markus war nämlich die Vertretung.
Rüde Eddy läuft auf der Außenseite, Hündin Joy zwischen Markus und Eddy.
Dafür, dass beide Hunde nicht an der Leine ziehen, obwohl es eine Situation mit sehr hoher Ablenkung ist, werden sie mit Leckerchen belohnt.

 

Und hier ist schon der erste Konfliktpunkt: Wenn Eure Hunde gar nicht ohne Spannung auf der Leine gehen können wenn Euch niemand entgegen kommt, dann dürft Ihr nicht streng werden und plötzlich die Spielregeln ändern wenn andere Hunde oder ein Mann auf einem Aufsitz-Rasenmäher ins Spiel kommen! Fordert Ihr auf ein Mal das Gehen an lockerer Leine ein obwohl das sonst nicht verlangt oder geübt wird, gebt Ihr den Hunden zusätzlichen Druck. Die Hunde bekommen schlechte Laune, Ihr seid frustriert weil die Hunde nicht so hören wie Ihr es verlangt.... Und am Ende keifen Eure Hunde die anderen an weil Ihr etwas verlangt habt, das die Hunde gar nicht beherrschen. Ausflug beendet, zurück zum Video.

 

Als Markus merkt, dass Eddy sich viel mehr auf die entgegen kommenden Hunde konzentriert, lässt er beide Hunde sitzen um sie besser unter Kontrolle halten zu können. Dadurch verhindert er eine Eskalation der Situation.

Was die Hunde daraus lernen? Noch bevor alles aus dem Ruder läuft, übernimmt Herrchen die Kontrolle und regelt die Situation.

Erst als BEIDE Hunde sich voll auf Markus konzentriert haben ist er mit Befehl weiter gegangen.

Nun zum anderen Rudel. Aus der Entfernung kommt Thorsten mit seinen Hündinnen Bea und Amy auf Markus zu.

Ganz rechts am Rand läuft die ein Jahr alte Amy, die schon früh Blickkontakt zu Eddy aufbaut. Sie ist der Grund warum sich Dalmatinerrüde Eddy nicht mehr auf sein Herrchen konzentrieren kann. Amy schwingt ihre Rute weit aus, auf Rückenhöhe und signalisiert dadurch, dass sie gerne freundlichen Kontakt hätte. 


Mutti Bea hingegen ist von Thorsten "gefesselt" und himmelt ihn an. Sie hat mit ihren 10 Jahren bereits die Erfahrung gemacht, dass ihr Leben schöner, einfacher und stressloser ist wenn sie ihn anschaut... als Flat Coated Retriever ist man nämlich furchtbar hungrig und will bei jeder Gelegenheit eine Belohnung abstauben. Dafür sind dann auch andere Hunde egal geworden.

Amy hat die Chancen auf Kontakt zu dem anderen Rudel abgewägt und gemerkt "Das wird nix.". Die Dalmatiner haben ihren Blickkontakt nicht erwidert, also hat sich Amy wieder ihrem Besitzer zugewendet.

 

Dass die Retriever-Mix-Hündin nach rechts an den Busch schaut hat den Hintergrund, dass dort ein Hund eine Markierung abgesetzt hat. Die ist ihr da in die Nase gestiegen. Sie führt aber trotzdem weiter den Befehl für die lockere Leine durch.

Vielleicht ist Euch sogar noch eine Besonderheit aufgefallen.... Thorsten hat seine Mädels häufiger belohnt je näher er bei den fremden Hunden war... Und zwar dafür belohnt, dass sie nach ihm schauen.

 

Was ich nämlich sonst immer im Feld und Wald beobachte ist genau das Gegenteil. Hundebesitzer geben immer erst eine Belohnung wenn sie schon längst an dem anderen Hund vorbei sind. Dies setzt den Hund aber auch unter Stress.
Hunde wissen, dass für gute Leistungen be- und entlohnt werden. Kommt ein anderer Hund entgegen, zeigen manche Hundebesitzer sogar das Leckerlis und sagen "Guck, das kriegst Du wenn Du brav bist."
Die kritische Phase findet bei der Annäherung statt und wird von dem Passieren auf gleicher Höhe gekrönt. Dies ist eine hohe Anforderung wenn vom Hund verlangt wird, dass er sich ausschließlich auf seinen Besitzer konzentrieren soll.
Und wann wird das Leckerli gegeben? Wenn der andere Hund vorbei ist und sich immer weiter weg bewegt.... also in einer Situation, die deutlich einfacher ist.
Ist das wirklich der richtige Zeitpunkt?


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Mittwoch, 10. Mai 2017 - 07:23 Uhr

Der Zahnwechsel

Viel zu schnell fliegt die Zeit davon und aus dem Welpen wird ein Junghund. Das Ende der Welpenzeit wird vom Beginn des Zahnwechsels eingeläutet.

Was passiert beim Zahnwechsel?
Wie bei uns Menschen fallen auch bei Hunden die Milchzähne aus und das Gebiss wird auf bleibenden Zähne umgestellt.

Wie alt ist der Hund?
Zwischen 16 und 30 Wochen. Manche Hunde beginnen sogar bereits im Alter von 12/ 13 Wochen mit dem Zahnwechsel.

Wie lange dauert der Zahnwechsel?
Vom Verlust des ersten Milchzahns bis zum vollständigen Erscheinen des letzten bleibenden Zahnes können etwa 3 Monate vergehen.

Muss ich dem Hund beim Zahnwechsel helfen?
Nein, im Normalfall verliert der Hund alle Milchzähne von alleine. Sollte sich eine Doppelreihe bilden, kann nur der Tierarzt helfen. Von regulierenden Maßnahmen wie sie bei Kindern eingesetzt werden, raten wir eindringlich ab!

Es kann sein, dass manche Hunde beim Zahnwechsel Fieber bekommen. In diesem Fall bitte ebenfalls einen Tierarzt aufsuchen!

Wie viele Zähne finde ich?
Manche Hundebesitzer finden gar keinen und andere viele Milchzähne. In der Regel verschlucken Hunde den abgestoßenen Milchzahn. Es ist aber durchaus möglich, dass ein nicht mehr benötigtes Zähnchen in Spielzeugen wie Kautaue stecken bleibt oder das Teil durch die Luft fliegt weil der Junghund einen Karton in Konfetti verwandelt.

Verändert sich das Wesen meines Hundes?
Der Zahnwechsel kann manchmal schmerzhaft sein und die Laune des Vierbeiners ist nicht ganz so fröhlich wie man es gewohnt ist.
Das Grundwesen bleibt wie es ist, aber ein Hund, der Schmerzen aushalten muss, reagiert anders als ein gesundes Exemplar. Kommt dann noch ein Frustfaktor dazu, wie z.B. Hunger, sinken Toleranz, Laune und Impulkontrolle eventuell in den Minusbereich.

Muss ich mit Einschränkungen während des Zahnwechsels rechnen?
JA! Es kann sein, dass viele Zähne gleichzeitig ausfallen und der Hund nicht mehr im Stande ist harte Sachen zu kauen. Sobald das Trockenfutter oder der geliebte Kauknochen verweigert werden, bitte dem Hund das Leben erleichtern. Es kann sein, dass für ein paar Tage das Futter eingeweicht werden muss. Natürlich kann der Hund dann auch keine harten Leckerlis kauen!
Manchmal jucken Kiefer, Zahnfleisch und das Frustlevel über den derzeitigen Zustand steigt an. Mit ein wenig Engagement kann man sich selbst und dem Hund das Leben schöner machen:
- Apfel oder Birne in schmale Schnitzchen schneiden und einzeln in die Gefrierschrank legen. Die Scheiben bzw. Achtel kann der Hund als kühlenden Beißring benutzen um die schmerzende Zahnfleischstelle zu kühlen.
- ein wenig Chaos in Kauf nehmen und den Hund im Haus einen Karton zerfetzen lassen.
- einen Kong mit der Mischung aus Quark oder Joghurt, Honig und zerquetschte Banane füllen und für mindestens 3 Stunden im Gefrierschrank zu Eis erstarren lassen.
- Alle Schuhe, Handtaschen, Schulranzen, Bücher ordentlich in die Schränke räumen! Zahnende Hunde schreddern alles was ihnen vor die Nase kommt und das innerhalb eines kurzen Zeitraumes.

Also liebe Lehrer: Wenn ein Schüler mit einem halb zerfledderten Buch zum Unterricht erscheint oder mit Tränen in den Augen die Reste seines Schulheftes auf das Pult legt und dazu den Satz sagt "Mein Hund hat das getan.", bitte unbedingt fragen, ob dieser Schüler einen jungen Hund hat. Und dann am besten ermahnen, dass die Tür zum Kinderzimmer immer geschlossen bleiben soll.


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Montag, 8. Mai 2017 - 07:20 Uhr

Zum Glück bellt Cimba!

Letzte Woche haben wir Euch versucht zu erklären warum Ihr nicht einfach das Bellen bestrafen dürft.

In diesem Video (https://www.facebook.com/Hundeschule.MysteryDog/videos/1561063423917352/) seht Ihr die 15 Jahre alte Cimba, die vor einem Balanceboard liegt.
Das Bellen haben wir hervorgerufen weil Cimba eine andere Vorstellung davon hat wie das Balanceboard benutzt wird.... sie wollte es zerlegen.

Damit Cimba unser Hilfsmittel für Hits im Mix - Hundefitness nicht in ein 5.000 Teile Puzzle verwandelt, hat Claudia ihr untersagt darauf herum zu kauen.

Das Bellen ist also für Cimba ein Ventil um ihren Frust los zu werden. Wenn Ihr genau hin hört, meckert sie herum und ist maulig wie ein übermüdetes Kind.

Cimba bekommt zwar gesagt "Hör auf!" aber seht Ihr die Reaktion? Vorher hat Cimba nur gemault und sie hat die Lefzen beim Bellen nicht hoch gezogen.

Nach der Ermahnung zieht sie vor jedem Beller die Lefzen so hoch, dass wir ihre Zähne ganz deutlich sehen können. Keiner der anwesenden Menschen hat danach in das Bellen eingegriffen um nicht noch schlimmere Reaktionen hervor zu rufen.
Trotz ihres Alters schreckt Cimba nicht zurück uns auch durch körperliche Zurechtweisung zu zeigen, dass sie sich durchsetzen kann und wird.

Cimba hört kurz auf zu bellen weil Claudia den motzigen Hund einfach liegen lässt und sich ein paar Schritte entfernt. Durch die Haltung "Dann bellst Du halt. Kümmert mich nicht, denn Du hast aufgehört das Balanceboard zu zerstören, ich habe mein Ziel schon erreicht." hat Claudia die souveränere Haltung und dadurch bellt Cimba nicht mehr.

Was Ihr leider nicht sehen könnt ist, dass Claudia wieder zurück kommt und das Balanceboard an sich nehmen wollte. Ab Sekunde 24 hat Cimba eine andere Körperhaltung eingenommen als ihre Besitzerin sich herunter bückt.
Der direkte Blickkontakt verheißt nichts gutes!

2 Sekunden später ist die Seniorin auf den Beinen um das Balanceboard als IHR Eigentum zu verteidigen und schimpft ernsthaft, dass es IHR Gegenstand ist und niemand näher kommen darf.

Und jetzt stellt Euch mal vor, das Bellen als Vorwarnung hätte es nicht gegeben. Wir hätten schon längst große klaffende und blutende Wunden gehabt.

Wenn das Bellen nämlich unterbunden wird, geht der Hund in einen stillen Angriff. Es werden Warnstufen wie Zähne zeigen, Knurren und Bellen übersprungen und eine ausdrucksstärkere Kommunikationsform wie Knappen oder Biss wäre zum Einsatz gekommen.


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Samstag, 6. Mai 2017 - 07:18 Uhr

Ist doch nicht schlimm wenn mein Hund die Innenverkleidung des Autos kaputt beißt, ist doch ein altes Auto!

Kunden besaßen einen Junghund, der in die Pubertät gekommen ist und nur schlecht mit Frust umgehen konnte.

"Ja, wir haben im Kofferraum zwar keine Seitenverkleidung mehr, aber was soll´s. Das ist ein altes Auto, da jucken mich die Schäden nicht." Die Besitzer sahen das Fehlverhalten ihres Vierbeiners nicht als schlimm an.

Da kein Interesse daran bestand dem Hund entweder einen Weg aufzuzeigen wie er mit den frustrierenden Situationen besser umgehen kann oder dass er in einer Transportbox Ruhe findet, wurde also das Training beendet.

2 Jahre später ist die Situation vollkommen anders und es musste unbedingt eine Veränderung her - das vorherige Verhalten ist nun untragbar.

Mittlerweile ist aus dem Paar eine Familie geworden und als frisch gebackene Eltern denkt man anders. So kam, was kommen musste: Die alte Karre wurden für den Junior durch einen zuverlässigen Neuwagen ersetzt.

JETZT darf der Hund aber nirgends einen Kratzer hinterlassen weil der Wagen so viel Geld gekostet hat.
Die Kunden haben sich an meinen Rat erinnert, dass es von Vorteil ist wenn der Hund in einer Transportbox im Auto fährt. Also haben sie bereits eine Hundebox gekauft und den Hund dort eingesperrt wenn sie zusammen unterwegs waren.
Aber der Vierbeiner will nicht mehr ins Auto springen wenn die Hundebox im Kofferraum steht. Steht die Box im Wohnzimmer, betritt der Hund nicht mehr den Raum.

Ihr ahnt es bestimmt: Das Problem ist, dass der Hund ohne Box nicht im Auto mitfahren darf oder kann weil er in unbeobachteten Momenten Teile des Autos zerstört.

Zweites Problem ist, dass der Hund die Box als negativ empfindet weil er einfach dort hinein gezwungen wurde.

In solchen Fällen gibt es keine schnelle Lösung. Das zerstörte Vertrauen können wir nicht in einer Einzelstunde wieder herstellen. Es ist kontinuierliche Arbeit in kleinsten Lernschritten, die von Rückschlägen geprägt sind und vor Konfliktsituationen nur so strotzt.

Mit kleinsten Lernschritten ist z.B. gemeint, dass der Hund erstmal lernen muss seine Abneigung gegen die Transportbox zu verlieren.

Oben haben wir bewusst erwähnt, dass der Hund gar nicht erst ins Wohnzimmer geht wenn dort die Transportbox steht. Allein dieses Problem muss zuerst beseitigt werden bevor man überhaupt daran denken kann die Box ins Auto zu stellen und den Hund hinein springen zu lassen!

Wenn der Hund einen Gegenstand im nahen Umkreis in seinem Zuhause nicht duldet, dann wird er an einem anderen Ort auch nicht in die Nähe gehen.

Man kann es sogar vergessen, dass der Hund in der Box gefüttert wird! Auch Fleischwurst, Leberwurst, Schweineohr oder Lachspaste werden nicht helfen!

Der erste Schritt zum Erfolg wird sein: Die Box steht für mehrerererere Wochen im Flur und der Hund geht jeden Tag mehrmals daran vorbei.... Vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer, in die Küche, zum Spaziergang, kommt nach Hause, in die Küche, ins Wohnzimmer, usw.

Um die Box wird überhaupt kein Drama gemacht. Sie ist einfach da.

Vollkommen egal, ob die Tür offen steht oder geschlossen ist - die Box ist da und spielt überhaupt keine Rolle.
Wenn sie eine Rolle oder Bedeutung bekommen soll, dann stellt dort die Kiste mit den Spielsachen Eures Hundes hinein. So wird die Box zu einem Möbelstück wie ein Schrank. Aber der Hund selbst wird nicht aktiv gezwungen sich mit der Box zu beschäftigen.

In der Zwischenzeit ist es natürlich nicht möglich mit dem Hund alleine im Auto zu fahren - diesem Grundproblem sind wir uns im Klaren. Ihr müsst also einen Fahrer haben damit Ihr Euren Hund im Notfall zum Tierarzt bringen könnt während Ihr neben Eurem Liebling auf der Rückbank sitzt. Gemeinsame Ausflüge mit der Familie sind tabu solange Ihr nicht sicherstellen könnt, dass Euer Hund keine Schäden verursacht. Zerstören ist eine selbstbelohnende Handlung!

Für diejenigen, dessen Hunde ein Problem mit dem Staubsauger haben: Lasst den ausgeschalteten Staubsauger einfach stehen bzw. liegen. Bitte unbedingt den Stecker aus der Steckdose ziehen und das Kabel im Gerät aufrollen lassen!

Der nächste Lernschritt kann erst gemacht werden, wenn Euer Hund auf den Anblick des "Angst- oder Hassgegenstandes" mit neutraler Einstellung (also "ist mir egal, dass das Ding in der Wohnung ist") daran vorbei läuft.

Jetzt wisst Ihr, wie die Hausaufgabe aussieht.

Wir lesen uns in 4 Wochen wieder!


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